14 iPaaS Systeme im Vergleich – eine Auswahlhilfe

 

iPaaS – Integration as a Service Systeme

Vor ein paar Jahren meinte ein in der ECM-Branche recht bekannter Berater, Bernhard Zöller, dass die Public Cloud keine Zukunft hätte: „Wie soll dass denn mit in Integrationen funktionieren. Da gibt es doch gar keine APIs.“

Heute ist das Bild genau anders herum. Durch die iPaaS Systeme ist der Austausch von Informationen und der Automation von Public Cloud Diensten deutlich einfacher, als bei On Premise Software.

Was ist „Integration as a Service“ (iPaaS)?

Fangen wir mal hinten an: „as a Service“ meint im Wesentlichen, dass hier keine Lizenzen  verkauft werden, sondern ein Service genutzt wird (wie im Public Cloud Umfeld üblich).

Und „Integration“ ist Programm: Software ist die Basis des modernen Unternehmens. Stichwort „digitale Transformation“. Alle Bereiche unserer Wertschöpfung werden zukünftig auf Software zurückgreifen. Egal ob es sich um diskrete Fertigungsprozesse oder um komplexe Beratung handelt: überall wird auf Software zurück gegriffen. Teils unterstützt sie den Menschen, teils ersetzt sie ihn.

Und diese vielen Software-Systeme arbeiten idealerweise eng miteinander zusammen. In der Realität kommen sie von ganz unterschiedlichen Herstellern. Und genau dies stellt bei guten Cloud-Produkten dank iPaaS-Systemen kein Problem mehr dar. Dank iPaaS kann man die einzelnen Software-Systeme – also z.B. das Formular-Tool der Webseite mit dem CRM, das CRM mit der Projekt-Management-Software, die Projekt-Management-Software mit dem ERP, das ERP mit dem CRM, usw. usf. – ganz einfach mit einander vernetzen und übergreifende Prozesse automatisieren.

Vorteile von iPaaS

Es gibt aus meiner Sicht drei wesentliche Vorteile von Integration as a Service:

  • Zugriff auf Informationen aus anderen Anwendungsprogrammen (verhindert auch redundante Datenhaltung)
  • Beschleunigung von Abläufen
  • Reduzierung von Fehlerquellen

Und natürlich: Man kann diesen Dienst einfach nutzen und muss kein großes Projekt starten, wie es früher üblich war, wenn es um Integrationen zwischen Anwendungssoftware ging.

Persönlich habe ich bisher nur mit IFTTT (If This Than That) und Zapier gearbeitet. Ersteres im privaten, zweites im beruflichen Kontext. Auch wenn die beiden Systeme die meisten Integrationen aufweisen, lohnt sich ein Blick auf den Markt.

Diese Tabelle ist sicherlich nicht vollständig aber es sind aus meiner Sicht die wichtigsten Anbieter.

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Name Fokus Pricing Integrationen Kommentar
IFTTT Consumer kostenlos 776 Einfachste Anwendung, Apps für Smartphones und Watch
Zapier Einfachheit/Business Automation $0/$20/$120 750 Sehr einfach, simpel und anschaulich zu bedienen, ideal für Lösungen innerhalb der Fachabteilung
Microsoft Flow Microsofts Antwort. Keine besondere Stärke $0/$5/$15 83 In der Premium-Version kann man auch auf lokale Daten zugreifen. Deutlich komplizierter als Zapier.
automate.io kein Fokus $0/$19/49/$99 35 Stehen noch ganz am Anfang
built.io Enterprise $29/$99/$499 148 Spannende Alternative zu Zapier, bieten zusätzlich zu iPaas auch mBaaS an.
elastic.io Enterprise $499/$999/$1899 24 Auch Hybrid oder on Premise möglich.
bip.io Open Source/On Premise $0/$10/$25/$60 62 Wird nicht mehr weiterentwickelt
Cloudpipes Custom integration, Automation $59/$119 330 Hier sind auch kompliziertere Abläufe mit logischen Schleifen möglich.
connect xyz Business Automation $15 22 Kein besonderer Fokus
APIANT Abteilung bis Enterprise. Auch Custom Integrations möglich $19/$49/$69/$99 238 Auch OnDemand Integrationen möglich. Von einfach bis sehr komplex möglich.
cloudHQ Backup und ein wenig Automatisierung $0/$9.90/$25 10 Klarer Fokus auf Backup und ein bisschen Integration
Integromat Einfachheit/Business Automation $0/$97$29/$99/$299 128 Interessante Alternative aus Europa. Wo allerdings die Services gehostet werden, lässt sich der Webseite nicht entnehmen
workato Einfachheit/Business Automation bis hin zum Enterprise Support $0/$99/$499/$1999 132 Auch Hybrid-Cloud möglich. Keine Programmierer notwendig. Skaliert bis zum Enterprise
OneSAAS Daten Synchronisierung €24/€34/€69 40 Eher me-too als irgendein Highlight

Wichtige Fragen bei der Auswahl von iPaaS-Anbietern

Diese Fragen würde ich mir stellen, wenn ich einen neuen iPaaS-Anbieter auswählen müsste:

  • Gibt es auch lokale Dienste (On Premise) die angebunden werden müssen? Sind diese per öffentlichen WebHook o.ä. erreichbar? Dies schränkt die Auswahl evtl. dramatisch ein.
  • In Deutschland natürlich: Wie steht es um die Datenschutz? Ist ein ausreichendes Datenschutzabkommen möglich?
  • Wie gut arbeitet der Support?
  • Gibt es eine gute History über die durchgeführten Tasks?
  • Gibt es eine Versionierung der erstellten Programme?
  • Gibt es vernünftiges Error-Handling der Programme?
  • Wie ist die Usability?
  • Und: Wie oft werden die Trigger ausgeführt?

Wo Zapier aus meiner Sicht schwächelt, ist beim Thema „Versioniertung der Programme“ und „Error-Handling“. Zudem wäre eine Verschachtelung der Abläufe (IF – THAN – ELSE) noch äußerst hilfreich. Auf der anderen Seite ist Zapier extrem einfach in der Handhabung. Dadurch das man immer mit echten Daten (als Beispiel) arbeitet, ist es sehr einfach zu verstehen, welches Feld welche Information beinhaltet. Und der Support ist überragend. Bei keinem anderen Hersteller habe ich so einen schnellen, kompetenten und problemlösungsorientierten Support erlebt, wie bei Zapier. Die Geschwindigkeit ist teilweise beindruckend: Innerhalb von Minuten gibt es manchmal schon die Lösung!

Die anderen Hersteller kann ich mehr oder weniger nur aus der Ferne beurteilen. Von Microsoft Flow würde ich die Finger lassen. Das Produkt wirkt auf mich unausgereift und kompliziert. Spannende Alternativen zu Zapier sind aus meiner Sicht aber:

  • built.io: Besonders für Unternehmen interessant, die noch kein mBaaS (mobile Backend as a Service) nutzen.
  • elastic.io: Nach meiner Recherche die einzige vernünftige Alternative für alle, die aus irgendeinem Grund noch nicht die Vorteile der Public Cloud nutzen wollen und ein iPaaS on Premise (also mit Installation auf dem eigenen Server) brauchen.
  • Cloudpipes: Im Gegensatz zu Zapier sind hier logische Schleifen möglich. Cloudpipes hat auch eine recht beeindruckende Anzahl von Integrationen (zwar nur halb so viel wie Zapier aber mit 330 führt es die Verfolger immerhin an).
  • APIANT: Spannend finde ich bei APIANT den Service, auch im Kundenauftrag Integrationen zu schreiben.
  • Integromat: iPaaS-Anbieter aus Europa (Tschechien). Allerdings unklar, welche Rechenzentren genutzt werden und welche Standards unterstützt werden.
  • workato: Dieser Anbieter macht damit auf sich aufmerksam, dass er auch on Premise Systeme in seine Integrationsplattform integrieren kann.

Dieser Artikel kann nur eine Momentaufnahme sein. Bei meiner Recherche habe ich 1-2 Jahr alte Artikel gefunden, die auf Systeme verwiesen, die den Markt bereits wieder verlassen hatten. Es scheint also eine recht starke Dynamik vorhanden zu sein.

Noch ein Tipp zum Abschluss:

Einfach mal machen. Da alle Dienste monatliche kündbar sind, ist es aus meiner Sicht sinnvoll, einfach mal mit einem Anbieter zu beginnen und einen Prozess umsetzen. Nur so kann man tatsächlich ein Gefühl für die Leistungsfähigkeit bekommen.

Bis ein großes Auswahlverfahren auf- und umgesetzt ist, hat man auf diese Weise schon lange handfeste, praxisrelevante Erkenntnisse gewonnen!

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